Digital Life
31.12.2015

Flops 2015: Sicherheitslücken, Hasspostings und Drohnen

Seien es Hasspostings, lauschende Fernseher oder schwere Sicherheitslücken bei Android: Auch 2015 gab es wieder zahlreiche Fails von Technologie-Konzernen.

Das Jahr 2015 hatte neben zahlreichen Highlights leider auch wieder einige Enttäuschungen zu bieten. Ein gutes Geschäftsergebnis ist eben nicht alles, wie unter anderem der Internet-Konzern Facebook zeigte.

Luftverschmutzer

VW hat sich dieses Jahr wohl den größten Skandal der Firmengeschichte geleistet. Unzählige VW-Fahrzeuge mit Diesel-Motor wurden mit einer manipulierten Software ausgeliefert, die die Abgaswerte verfälschte. Damit wollte der deutsche Automobilkonzern die Messverfahren austricksen. Doch die US-Umweltbehörde EPA kam VW auf die Schliche. Der Konzern musste weltweit Fahrzeuge zurückrufen, unter anderem auch in Österreich.

Zudem drohen dem Unternehmen nun Strafen in Milliardenhöhe. Doch wer hat Schuld? Diese Frage wird bereits seit Monaten diskutiert, bislang ohne wirkliches Ergebnis. VW-Chef Martin Winterkorntrat zurück, obwohl er immer wieder beteuerte, nichts von der Manipulation gewusst zu haben.Perfekter Stoff für Hollywood, der Skandal soll nun auch verfilmt werden. Doch “Dieselgate” hatte auch Gutes: Die Messverfahren, die schon seit längerer Zeit als unrealistisch kritisiert werden,werden nun wieder diskutiert.

Alternative Betriebssysteme gehen unter

Wer ein Smartphone besitzt, setzt mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Android und iOS. Die beiden mobilen Betriebssysteme von Apple und Google machen 96,7 Prozent (IDC, 2. Quartal 2015) des Smartphone-Marktes aus - mehr als je zuvor. An Konkurrenz würde es nicht mangeln, doch keiner konnte es bislang mit den beiden dominierenden US-Konzernen aufnehmen. Nicht einmal Microsoft, der dieses Jahr mit Windows 10 Mobile einen weiteren Anlauf wagte. Doch dem Neustart nach dem Neustart gibt kaum jemand mehr eine Chance, dennoch will Microsoft am mobilen Betriebssystem festhalten.

Im Gegensatz zu Mozilla:Die Entwicklung von Firefox OS für Smartphones und Tablets wird eingestellt.Das noch relativ junge Betriebssystem des Browser-Herstellers galt als vielversprechend, konnte sich aber nie einen nennenswerten Marktanteil erkämpfen. Auch BlackBerry OS scheint einen langsamen, qualvollen Tod zu sterben. Der kanadische Konzern wagte dieses Jahrendgültig den Wechsel auf Android - mit mäßigem Erfolg. Dennoch dürfte man Googles Betriebssystem künftig den Vorzug geben. Auch bei Jolla, das von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründet wurde, sieht es düster aus. Nachdem Abschied von Mitgründer Marc Dillonhat der Entwickler von Sailfish OSmit finanziellen Problemenzu kämpfen. Eine Pleitekonnte abgewendet werden, doch zu einem hohen Preis: Die Hardware-Sparte wurde ausgelagert, eigene Geräte werden wohl in naher Zukunft nicht mehr produziert.

Android hat ein Sicherheitsproblem

Google hat aufgrund der Dominanz von Android allen Grund zur Freude. Doch die große Beliebtheit des Betriebssystems lockt auch zunehmend Kriminelle an. Die Versuche, Malware auf Geräten einzuschleusen häufen sich. Laut Google konnte man die Zahl der auf Android-Geräten installierten Malware halbieren, dennoch finden immer wieder fragwürdige Apps den Weg in den Play Store. Zudem sorgte dieses Jahr eine gewaltige Sicherheitslücke für Aufregung. Der sogenannte “Stagefright”-Bug bedrohte fast eine Milliarde Android-Geräte. Angreifer können diese Sicherheitslücke ausnutzen, indem sie Schadcode über eine MMS verschicken. Das Opfer bemerkt davon nichts.

Leider handelte es sich dabeinicht um die einzige schwere Android-Sicherheitslücke, die 2015 entdeckt wurde. Googlereagiert meist rasch, doch die Sicherheits-Updatesschaffen es nur selten zeitnah zu den Nutzern.Grund dafür ist die hohe Fragmentierung in der Android-Welt. Während Apple lediglich iPhones mit Updates versorgen muss, wird Android von Dutzenden Herstellern auf unzähligen verschiedenen Geräten eingesetzt. Die Verteilung der Updates obliegt den Herstellern, die sich damit meist Zeit lassen oder den Software-Support rasch einstellen. So werden wohl hunderte Millionen Smartphones auch in Zukunft schutzlos bleiben.

Facebook zögert bei Hasspostings

2015 war wohl ohne Zweifel das Jahr der “Hasspostings”. Die internationale Flüchtlings-Krise sowie die Anschläge in Paris sorgten dafür, dass immer häufiger fremdenfeindliche und verhetzende Kommentare auf Facebook, Twitter und Co. zu finden waren. Vor allem Facebook zeigte sich beim Umgang mit derartigen Beiträgen zurückhaltend und löschte meist auch dann nicht, wenn die Beiträge gemeldet wurden. Dem Konzern wurde in diesem Zusammenhang auch Doppelmoral vorgeworfen, da man wiederum streng gegen Nacktheit vorgehe.

Während sich Facebook zurücklehnte, wurden viele Hassposter im realen Leben aber wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Dieses Jahr gab es eine wahre Flutan Anzeigen,Kündigungen undKlagen gegen Hassposter. Politischer Druck aus Deutschland zwang Facebook zudem zum Handeln. Während man zunächst nur über Hassrede im Internet aufklären und statt zu Löschen Diskussionen fördern wollte, sollen verhetzende Postingsnun binnen 24 Stunden gelöscht werden. Auch Twitter, das vor allem von der Terror-Organisation IS zu Propaganda-Zweckenmissbraucht wird,hat seine Regeln verschärft.

Drohnen fallen vom Himmel

Drohnen und Hoverboards zählen zu den wohl beliebtesten Gadgets des Jahres. Doch egal ob man zu Lande oder in der Luft unterwegs ist, beide Geräte haben mit technischen und rechtlichen Problemen zu kämpfen. Ski-Rennfahrer Marcel Hirscher wurde beim Slalom im italienischen Madonna beinahe von einer abstürzenden Kamera-Drohne getroffen. Während dieser Vorfall glimpflich ausging, sorgten zahlreiche andere Unfälle für Schlagzeilen: Ein Baby verlor ein Auge nach einem Drohnen-Absturz, Pop-Sänger Enrique Iglesias wurde bei einem Konzert von einer Drohne verletzt und in Deutschland krachte auf einer Autobahn eine Drohne in eine Windschutzscheibe. Zudem gab es immer wieder Beinahe-Zusammenstöße mit Flugzeugen und andere Situationen, in denen die kleinen Quadcopter zur Gefahr wurden.

Diese Vorfälle könnten vielen Hobby-Piloten nun den Spaß verderben. In zahlreichen Ländern wird über eine Verschärfung der Regeln nachgedacht. So müssen seit kurzer ZeitDrohnen in den USA registriert werden.In Deutschland denkt man zudemüber einen Führerschein für Drohnen-Pilotennach. Hierzulande sinddie Regeln relativ eindeutig, dennoch wirdimmer wieder über neue Regeln debattiert.Wer sich also schon bald eine neue Drohne anschaffen will, sollte besser sichergehen,dass er keinen schießwütigen Nachbarn hat.

Twitter und Yahoo schlittern in die Krise

Für die Internetkonzerne Twitter und Yahoo geht kein gutes Jahr zu Ende. Twitter war nach dem Rücktritt von CEO Dick Costolo mehrere Monate lang führungslos, bis Twitter-Gründer Jack Dorsey das Ruder übernahm. Zudem steckt das Unternehmen in den roten Zahlen fest. Der Umsatz konnte zuletzt zwar gesteigert werden, doch das Werbgeschäft des Mikroblogging-Dienstes will nicht so recht Fahrt aufnehmen. Seit dem Börsengang steht das Unternehmen unter Druck. Um Kosten zu sparen, mussten zuletzt auch mehr als 300 Mitarbeiter entlassen werden. Doch es geht auch aufwärts: Das neue Feature "Moments" wird derzeit in den USA stark beworben, zudem feiert man mit den eigenen Diensten Vine und Periscope große Erfolge. Dorsey sorgte außerdem für einen kleinen Motivationsschub zu Beginn. Er verschenkte ein Drittel seiner Firmentanteile an Mitarbeiter.

Motivation, die man sich bei Yahoo wohl sehnlichst wünscht. Der Internet-Pionier wird von seinen Investoren stark unter Druck gesetzt.Das Kerngeschäft des Unternehmens kommt nicht mehr wirklich in Schwung, weswegendieses nun ausgelagert werden soll.Erste Interessentenhaben sich bereits gemeldet.Ursprünglich wollte Yahoo seine wertvollen Alibaba-Anteile veräußern, um sein Online-Geschäft ausbauen zu können. Doch Steuerbedenken haben den 31-Milliarden-Deal verhindert. Ob Marissa Mayer noch lange auf dem Chefsessel sitzen wird, ist unklar. Zuletzt wurde sie bereits angezählt, der Verwaltungsrat bestätigte sie jedoch in ihrer Position. Sie darf sich zumindest privat über eine gute Nachricht freuen: Sie brachte Anfang Dezember Zwillinge zur Welt.

Die lauschenden Smart-TVs

Wer heutzutage einen Flat-TV kauft, besitzt meist einen "Smart TV". Ausgestattet mit Netzwerk-Anschluss oder WLAN-Modul ist die Verbindung mit dem Internet ein Kinderspiel. Doch dabei werden auch Infos übertragen, ohne dass die Besitzer etwas davon wissen - sei es an Google, Microsoft oder die TV-Sender selbst. Schlechte Nachrichten also für jene, die sich bislang bewusst Smartphones oder Tracking im Internet verweigert haben. Nutzer von Smart-TVs mit Internetanschluss sind nach Erkenntnissen von Datenschützern und Nachrichtentechnikern nicht davor sicher, beim Fernsehen sowohl von Geräteherstellern als auch von Google und Sendern ausgeforscht zu werden.

Im Februar gab es außerdemKritik an den den Nutzungsbedingungen von Samsungs Smart TVs. Der Hersteller warnt davor, vor dem Fernseher Privates zu besprechen. Der Grund: Die Spracherkennung des Fernsehers ist standardmäßig aktiviert und zeichnet das Gesagte auf. Diese Daten werden zur Qualitätskontrolle an die Server von Drittanbietern geschickt, die für die Verarbeitung der Sprachbefehle verantwortlich sind.