Digital Life
27.12.2013

3D-Druck, Bitcoins und Snowden: Das war 2013 top

Das Technologie-Jahr 2013 hatte sehr viel Positives, vor allem aus österreichischer Sicht. Die futurezone wirft auf einen Blick auf die Tops des Jahres.

3D-Druck wird erschwinglich(er)

3D-Druck ist, entgegen der öffentlichen Wahrnehmung, nicht gerade eine neue Technologie. In der Industrie kommt sie bereits seit gut drei Jahrzehnten zum Einsatz, vorwiegend unter dem Namen Rapid Prototyping. Doch mittlerweile sind 3D-Drucker auch zu günstigen dreistelligen Beträgen erhältlich und können damit immer mehr normale Konsumenten anlocken. Auch bei Media Markt, Saturn und Amazon werden mittlerweile 3D-Drucker angeboten.

SelbstUS-Präsident Obamabetonte in einer Ansprache die Wichtigkeit von 3D-Druck und kündigte Förderungen an. Und während Konsumenten bereits von einfachen Anwendungen mit Kunststoff begeistert sind, lässt sich mittlerweile scheinbar alles “ausdrucken”. Angefangen beiEssenüberAkkus,Raketendüsen,SolarzellenoderWaffen, es scheint keinerlei Grenzen zu geben. 2014 wird die futurezoneauf einer eigenen Konferenz zum Thema 3D-Druckin Wien mit Fachleuten über Gegenwart und Zukunft der Technologie diskutieren.

Tech-Branche an Börse im Höhenflug

2012 war für die Technologie-Branche nach dem holprigen Börsengang von Facebook ein eher missglücktes Jahr, von einer möglichen Technologie-Blase war sogar die Rede. Doch 2013 kam es zu einer regelrechten Renaissance für die Branche. Die Facebook-Aktie kam langsam aber sicher wieder auf ihr altes Niveau zurück - nachdem sie zeitweise auf ein Tief von 17,55 Dollar abgestürzt war - und liegt mittlerweile bei 55 US-Dollar, knapp zehn Dollar über dem ursprünglichen Ausgabewert. Auch Googles Aktie konnte dieses Jahr für Aufsehen sorgen und durchbrach erstmals die 1000 Dollar-Grenze.

Mittlerweile steht sie bei mehr als 1.100 US-Dollar,ein Ende ist nicht in Sicht. Und auch der Börsengang von Twitter ist ohne Probleme über die Bühne gegangen. Das mag einerseits daran liegen, dass nach dem Facebook-Fiaskomit großer Vorsicht alles vorbereitet wurde. Trotz roter Zahlen stieß der Mikroblogging-Dienst aber auf großes Interesse der Anleger, der Preis für einen Anteil schossam ersten Tagvon 26 Dollar auf 44,90 Dollar hoch. Der Enthusiasmuslegte sich kurz danach wieder, mittlerweile ist die Aktie aber bereits bei 60 Dollar angelangt - Tendenz weiter steigend.

Edward Snowden beweist Mut

Der von vielen als mutigster Mann des Jahres bezeichnete ist Edward Snowden. In einem Interview mit dem Guardian bekannte sich der 30-Jährige öffentlich als derjenige, der wohl die größten Spionage-Programme aller Zeiten aufgedeckt hat. Daraufhin folgte eine abenteuerliche Flucht, die ihn nach einer Reihe von Asyl-Anträgen nach Russland führte. Dort musste er mehr als fünf Wochen am Flughafen ausharren, bis er endlich in das Land einreisen durfte.

Er selbst besitzt keine Geheimdokumente mehrund will diese alle an Vertraute weitergegeben haben, dennoch haben seine Taten andere inspiriert. So bewiessein E-Mail-Anbieter Lavabitöffentlich Courage und wollte sich einer gerichtlichen Anordnung auf Freigabe der Daten nicht beugen, woraufhin der Dienst kurzerhand seine Pforten schloss. Auch unter der österreichischen Bevölkerung scheint seit den Enthüllungen durch Snowdendas Bewusstsein für Datenschutz zu steigen.

Der Verkauf von Runtastic

2013 hat Runtastic bewiesen, dass man auch als österreichisches Start-Up internationale Erfolge feiern kann. Das Unternehmen, das sich auf Fitness-Apps und -Hardware spezialisiert hat, feierte mehr als 30 Millionen App-Downloads (mittlerweile sogar weit über 46 Millionen) und konnte zudem die Mehrheit an Axel Springer verkaufen. Der Kaufpreis ist unbekannt, verschiedene Medien sprechen von einem zweistelligen Millionenbetrag. Der Deal dürfte somit die Gründer - Florian Gschwandtner, Alfred Luger, René Giretzlehner und Christian Kaar - zu Internet-Millionären gemacht haben.

Das 2009 in Pasching bei Linz gegründete Unternehmen zählt mittlerweile mehr als 90 Mitarbeiter. Trotz des Erfolges wolle man aber dennoch den Firmensitz in Österreich halten und nicht in die Start-Up-Hochburg San Francisco übersiedeln. Inwieweit die neuen Eigentümerverhältnisse Auswirkungen auf die Runtastic-Apps selbst haben werden, ist unklar. Doch nur kurz nach dem Deal kam bereits eine neue App von Runtastic heraus.“Story Running”soll beim Laufen mit Hörgeschichten motivieren, in die der Läufer selbst eingebunden wird, beispielsweise auf der Flucht vor Hunden.

Ein kleiner Roboter am roten Planeten

Curiosity ist zwar bereits im August 2012 auf dem Mars gelandet, doch der Rover entwickelte sich 2013 erst zum wahren Medienliebling. Dafür sind auch die mitunter kuriosen Aktionen der NASA verantwortlich. So ließen sie ihn zu seinem ersten “Geburtstag” am Mars über einen Motor Happy Birthday singen oder fertigten mal rasch ein “Selfie” mit Grüßen vom Mars an. Doch auch der wissenschaftliche Aspekt kam nicht zu kurz. Nachdem im Vorjahr ein “historischer Fund” nicht von der NASA kommentiert wurde, hat man im März verkündet, dass auf dem Mars einmal Leben möglich war.

So soll es ein komplettes Flusssystem oder Seen gegeben haben. Damit hat Curiosity im Grunde genommen bereits seinen Hauptzweck erfüllt. Ein End-Datum für das Projekt gibt es nicht, im Dezember 2012 wurde die ursprünglich auf zwei Jahre ausgelegte Mission auf unbestimmte Zeit verlängert. Auchein Nachfolgerist bereits in Planung und soll 2020 Curiosity auf dem Mars Gesellschaft leisten. Für die nächsten Monate begibt sich Curiosity aufeine Bergtour, um auf diesem Weg mehr über den Schichtenaufbau des roten Planeten zu erfahren.

Medizinische Forschung aus Österreich

Österreichische Forscher konnten 2013 vor allem auf dem Feld der Medizin für mehr als nur Achtungserfolge sorgen. So arbeitet der österreichische Chirurg Harald Ott derzeit daran, Organe im Bioreaktor zu züchten und könnte so eines der größten Probleme der Transplantationsmedizin aus der Welt schaffen. Seine Forschung ist bereits weit fortgeschritten.

Auch die Wiener Molekularbiologin Angelika Amon konnte Erfolge auf dem Gebiet der Krebsforschung erzielen, wofür sie dieses Jahr den Ernst Jung-Preis erhielt. Sie hofft, inzehn bis fünfzehn Jahren ein wirksames Medikament gegen Krebsentwickelt zu haben. Norbert Bischofsberger hat bereits ein Medikament entwickelt,allerdings gegen Hepatitis C, einer der hartnäckigsten Infektionskrankheiten der Menschheit. Diese galt bis vor kurzem noch als unheilbar.

Bitcoins finden immer mehr Akzeptanz

Bitcoins wurden vor erst zwei Jahren noch als netter Versuch belächelt, manch einer sah dahinter sogar ein Betrugsschema. Doch 2013 gelang es der virtuellen Währung, den Amateur-Status abzuschütteln und zu einem ernstzunehmenden Zahlungsmittel zu werden. Vor allem die zunehmende Akzeptanz bei Händlern hat den Höhenflug begünstigt. Nun erhält man für die virtuelle Wahrung auch physische Artikel und muss Bitcoins nicht mehr als Anlage betrachten und diese in Dollar oder Euro umtauschen.

Selbst ein Flug ins All oderBlack Friday-Angebotelassen sich mittlerweile mit Bitcoins bezahlen. All das sorgte dafür, dass Bitcoins zeitweise sogardie 1.000 Dollar-Markeknackten, zum Anfang des Jahres stand er noch bei knapp 13 US-Dollar pro Bitcoin. Damit wurden einige über Nacht Millionäre, andere verloren wiederum so ein ihnen zuvor unbekanntesVermögen auf der Müllhalde. Auch Bitcoin-Start-Ups stehen mittlerweile hoch im Kurs,Coinbase erhielt knapp 25 Millionen US-Dollar an Risikokapital. Trotz der positiven Entwicklung blieb aberder Tenorvoneuropäischen Finanzbehördeneher negativ. Überraschenderweise konnte das den Kurs der Bitcoins nicht wesentlich beeinflussen.

Microsoft versucht sich neu zu erfinden

Man kann das Jahr 2013 für Microsoft auf viele Arten interpretieren, doch es war vor allem von einem geprägt: Wandel. Sei es das verstärkte Engagement als Hardware-Hersteller, die Anpassungen mit Windows 8.1 nach dem massiven Redesign oder der angekündigte Abschied von Steve Ballmer. So gesehen blieb kein Stein auf dem anderen, und das dürfte wohl auch bitter notwendig gewesen sein, auch wenn die letzten Quartalsergebnisse sehr positiv ausfielen.

Ballmer, der seit 2000 an der Spitze von Microsoft stand und stets herbe Kritik einstecken musste - sei es wegenseiner skurrilen Auftritteoder demstark gefallenen Unternehmenswert- hat das Unternehmen in den letzten Jahren stark umgebaut. Die Krönung war wohl derKauf von Nokias Mobilfunksparte. All das hat noch nicht wirklich Früchte getragen, ist aber zumindest spannender als die Stagnation bei anderen Unternehmen wie Samsung oder Apple, bei denen man dieses Jahr vergeblich auf wahre Highlights wartete.

Elektrogeräte im Flugzeug

Es ist noch kein Flugzeug wegen eines Smartphones abgestürzt und 2013 haben das endlich auch die Flugaufsichtsbehörden in den USA und Europa erkannt (es halten sich ohnedies viele nicht daran). Der Druck wurde in den vergangenen Monaten immer stärker, vor allem da es zunehmend auf Unverständnis stieß, wieso ein Kindle, iPad oder Smartphone während des Start- und Landevorganges nicht verwendet werden sollte.

Nun liegt es an den Fluglinien, ob sie die Richtlinien der Flugaufsicht umsetzen möchten. In den USA haben sich bereitsDelta und JetBlueals Vorreiter erwiesen, weitere Fluglininen werden (hoffentlich) folgen. Die Telefonie- und Daten-Funktionen der Mobilgeräte müssen während des Fluges zwar weiterhin deaktiviert bleiben, allerdings wird bereits in den USA darüber diskutiert, dieses Bestimmungebenfalls zu überarbeiten.

Datenfreigabe der Wiener Linien

2013 kam dank einer Initiative rund um Robert Harm und Patrick Wolowicz endlich Bewegung in die Freigabe der Echtzeitdaten der Wiener Linien. Binnen weniger Tage unterzeichneten mehr als 600 Personen eine Online-Petition, nur wenige Tage darauf gaben die Wiener Linien nach und kündigten Echtzeitdaten für September an. Zuvor wurde allerdings die hauseigene Fahrplan-App qando überarbeitet, auch um zu testen, wie gut sich die Echtzeitdaten in der überarbeiteten Form implementieren lassen.

Nahezu überpünktlich,Ende August, kam dann tatsächlich die Freigabe, die Routing-Daten folgten einige Tage später. Zur Überraschung vieler gesellte sich Mitte Dezember ein weiteres Unternehmen hinzu: die ÖBB. Diese folgte jedoch nicht dem Open Data-Prinzip und gab die Daten für die Allgemeinheit frei, sondern lediglich für Google Maps. App-Entwickler werden die Daten laut den ÖBB in naher Zukunftnicht erhalten, man wolle lediglich mit “ausgewählten Partnern” zusammenarbeiten.