Digital Life
30.12.2013

Die Flops 2013: Smartwatches, NSA und Niedermeyer

Das Tech-Jahr 2013 war von zahlreichen Flops geprägt. So fuhr Microsoft einen Zick-Zack-Kurs bei der Xbox One, BlackBerry fiel tief und Smartwatches wurden entzaubert.

Microsofts Zick-Zack-Kurs bei Xbox One

Große Erwartungen ruhten auf der Präsentation der neuen Spielkonsole Xbox One Ende Mai. Doch was Microsoft da präsentierte, schockierte viele Gamer. Die Xbox One müsse, so der damalige Plan, zumindest einmal am Tag online gehen, damit Spielen möglich ist. Wer sich auf der Konsole eines Freundes einloggt, müsse sogar stündlich online gehen. Auch die Vorgabe, dass die Kinect-Kamera stets angesteckt sein muss und die Konsole im Hintergrund “lauscht”, um Sprachbefehle aufzunehmen, sorgte nicht unbedingt für Begeisterung.

Die wohl größte Einschränkung wäre aber die Möglichkeit auf ein Gebrauchtspiele-Verbot für die Spielehersteller gewesen. Doch dann, knapp einen Monat nach der Präsentation, vollzog Microsofteine 180-Grad-Wende.Weder Kinectnoch eine Online-Verbindung sind nun Pflicht. Dieser Schritt dürfte sich ausgezahlt haben, Microsoft und Sony liefern sich mittlerweile ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Im November verkaufte Sony2,1 Millionen PS4s, Microsoft wiederumzwei Millionen Xbox Ones.

LTE-Auktion

Mehrere Jahre mussten die Mobilfunker auf die Versteigerung der begehrten LTE-Frequenzen warten, im Oktober war es dann soweit. Bereits im Vorfeld kam es zu scharfer Kritik am Bieterverfahren, das von den Mobilfunkern als kompliziert und zu undurchsichtig bezeichnet wurde. T-Mobile ließ sogar einen Mathematiker und einen Physiker einfliegen, die bei der Planung der Strategie helfen sollten. Letztendlich kamen mehr als zwei Milliarden Euro zusammen, doppelt so viel wie ursprünglich erwartet.

So sehr sich nun aber die Bundesregierung über zusätzliche Einnahmen freuen darf, die Mobilfunker sind erbost und haben Einspruch gegen die Auktion eingelegt. SowohlDrei als auchT-Mobilesind aber bereits beim Verwaltungsgerichtshof abgeblitzt. Der letzte Hoffnungsschimmer war die von der Bundesregierung versprochene Breitband-Milliarde - im Programm der “alten neuen” Regierung findet sich dazu aber nichts mehr. Nundrohen massive Preiserhöhungen, die die Kosten ausgleichen sollen.

Absturz von BlackBerry

2012 traf es vor allem Nokia hart, doch dieses Jahr konnte sich der finnische Konzern wieder etwas fangen. Ob dieses Kunststück auch dem kanadischen Smartphone-Hersteller BlackBerry gelingen dürfte, ist unklar. Der einstige Smartphone-Pionier rutschte trotz neuer Modelle 2013 in die Bedeutungslosigkeit ab und begab sich verzweifelt auf die Suche nach einem neuen Eigentümer.

Sogareine Zerschlagungwar zeitweise ein Thema. Als das scheiterte, musste CEO Thorsten Heins den Hut nehmen, der unter anderem in das Visiereiner Sammelklagegeriet - Er soll die Anlegermit falschen Angaben getäuscht haben. Nun mussder neue Firmenchef John Chendas Ruder herumreißen und das Unternehmenmit drastischen Entlassungenwieder profitabel machen. Wie er jedoch BlackBerry in Anbetracht der harten Konkurrenz von Android und Apple wieder attraktiv machen möchte, bleibt ein Rätsel.

Aus für Google Reader

Dass Google erfolglose Dienste von Zeit zu Zeit einstellt, ist nichts Neues, doch Mitte März verkündete der Konzern eine wahre Schreckensmeldung. Nutzer des Google Readers bekamen beim Einloggen die Nachricht präsentiert, dass der Dienst am 1. Juli 2013 abgeschaltet werde. Google Reader war seit seiner Einführung 2005 der wohl beliebteste RSS-Reader und zählte Nutzer in Millionenhöhe, allerdings gab es laut Google einen spürbaren Rückgang im letzten Jahr.

Viele dieser Nutzer ließen sich die Abschaltung jedoch nicht gefallen und unterstützten eine Online-Petition, die insgesamt 150.000 Unterschriften sammeln konnte. Google ließ sich aber dennoch nicht umstimmen undstellte den Dienst, gemeinsam mit Google Voice für BlackBerry und dem Google Building Maker, ein. Die Nachricht hatte allerdings auch ihr Gutesfür Anbieter von anderen RSS-Diensten, die nun regen Zulauf von ehemaligen Google Reader-Nutzern verzeichnen. Allein Feedly konnte in den ersten drei Monaten nach der Ankündigung acht Millionen neue Nutzer dazugewinnen.

The Silk Road ist tot, lange lebe The Silk Road

Der Drogenmarktplatz im Dark Net, auch bekannt als “Amazon für Drogen”, feierte 2013 Tod und Wiedergeburt. Anfang Oktober wurde der mutmaßliche Betreiber der Seite festgenommen. Dem 29-jährige Ross Ulbricht wird neben Drogenhandel auch vorgeworfen, Auftragsmörder angeheuert zu haben. Insgesamt sechs Personen wollte Ulbricht töten lassen, darunter ehemalige Geschäftskollegen, die ihn auffliegen lassen wollten.

Der Abschied von The Silk Road war aber nur von kurzer Dauer,Anfang Novemberwar die Seite unter neuen Betreibern wieder online. Die Webseite wirkt sich jedoch alles andere als positiv auf das Image von Bitcoins aus, denen nun stets vorgehalten wird, lediglich ein anonymes Zahlungsmittel für Geldwäsche und Drogenhandel zu sein. Der Kurs musste nach dem vorläufigen Ende für The Silk Road aucheinen kleinen Rückschlag hinnehmen.

Smartwatches: Viel Hype, wenig dahinter

Mehr als

zehn Millionen US-Dollar

konnte die Smartwatch Pebble im April 2012 einnehmen, doch

erst Anfang 2013

fand sie auch den Weg zu ihren Unterstützern. Der Hype, der mit der smarten Uhr aufgekommen war, hielt aber auch darüber hinaus an. Modelle von

Samsung

,

Sony

,

Qualcomm

und zahlreiche Kickstarter-Smartwatches kamen auf den Markt.

Gerüchten zufolge arbeiten

Google

,

Apple

und

Microsoft

ebenfalls an eigenen Smartwatches. Doch das, was derzeit verfügbar ist, enttäuscht. Klobig, teuer, schwache Akkulaufzeit sowie ein mauer Funktionsumfang sorgen dafür, dass die Smartwatches

noch eher in den Regalen liegen bleiben

. Derzeit sind Smartwatches zudem lediglich eine Ergänzung zu Smartphones und daher in ihrem Funktionsumfang beschränkt.

"Scroogled": Peinliches Google-Bashing von Microosft

Die Beziehung von Microsoft und Google war noch nie von großer Freundschaft geprägt, doch dieses Jahr dürfte Microsoft mit der recht gewagten “Scroogled”-Kampagne eine Grenze überschritten haben. Über den offiziellen Microsoft Store werden seit einigen Wochen Merchandise-Artikel wie Kappen, T-Shirts und Tassen verkauft, auf denen Anti-Google-Sprüche zu lesen sind.

Produkte mit dem wohl bösartigsten Spruch - “Keep calm while we steal your data” - wurden mittlerweile entfernt, andere Produkte sind aber nach wie vor erhältlich. Auch vorOutlook undChromebooks machte Microsoft nicht Halt und bezeichnete letztere mit prominenter Unterstützung (den Darstellern der US-Reality-Serie Pawn Stars) als “falsche Laptops”. So wird Microsoft Google wohl auch nicht davon überzeugen können,endlich eine YouTube-App für Windows Phonezu entwickeln, aktuell gibt es gerade einmaleinen besseren Link zur mobilen Webseite.

Google+: Missglückte YouTube-Zusammenführung

Aber auch Google hat sich dieses Jahr einen massiven Fehltritt geleistet. Das alte Kommentarsystem von YouTube wurde kurzerhand eingestampft und mit dem neu entwickelten System von Google+, das bereits seit einigen Monaten auf Blogger zum Einsatz kommt, ersetzt. Das sollte wohl das hauseigene sozialen Netzwerk etwas mehr in die Gänge bringen, allerdings folgte darauf ein gewaltiger Aufschrei der YouTube-Nutzer.

Mehr als 226.000 Personen unterzeichneteneine Online-Petition, selbst YouTube-Mitbegründer Jawed Karim ließ sich zu seinem ersten Kommentar auf der Plattform hinreißen: „Warum zur Hölle brauche ich einen Account bei Google+, um ein Video zu kommentieren?“ Da mit der Umstellung auch das Zeichenlimit erhöht wurde, kam auch ein recht kurioser Protest zustande. Zahlreiche Nutzer posteten ASCII-Erotikmotiven und versuchten so, gegen das Kommentarsystem zu protestieren. Doch all das half nichts, Google ließdie ASCII-Penisse löschenund beharrt weiterhin auf dem neuen Kommentarsystem.

Niedermeyer-Pleite

Nach 56 Jahren musste der österreichische Elektronikhändler Niedermeyer dieses Jahr endgültig seine Pforten schließen. Die ersten Probleme zeichneten sich bereits im vergangenen Jahrzehnt ab, seit dem Verkauf durch Firmengründer Christian Niedermeyer vor 14 Jahren wechselte das Unternehmen mehrmals den Besitzer, selbst ein ehemaliger Niedermeyer-Manager hatte bereits den Überblick verloren. Die Probleme wollten aber auch mit neuen Eigentümern nicht verschwinden.

Nicht zuletzt der harte Wettbewerb durch Konkurrenten wie Amazon und anderen großen Elektronikhandelsketten setzte Niedermeyer schwer zu. Der Schuldenberg wuchs dieses Jahr auf 29 Millionen Euro an und war damit für das Unternehmen nicht mehr zu bewältigen. Einemögliche Rettungdurch den deutschen Kooperations-Partner gab kurz Hoffnung, doch dererhoffte Investor blieb aus. Neben den Niedermeyer-Mitarbeiter waren auch Schnäppchenjäger enttäuscht, denn der angekündigte Ausverkaufhatte lediglichgeringe Rabatte zur Folge, mit denen man immer noch teurer einkaufte als bei Konkurrenzunternehmen.

Sinnloses Opt-Out für Smart Meter Die Einführung der intelligenten Stromzähler Smart Meter ist nach wie vor ein umstrittenes Thema. 2013 kam mit einem Opt-Out, das eigentlich gar keines ist, eine neue Kontroverse hinzu. Die österreichische Mietervereinigung sah bereits früh den Smart Meter-Zwang, nach dem bis Ende 2019 in ganz Österreich mechanische Stromzähler durch Smart Meter ersetzt werden sollen, als verfassungswidrig an. Im Juli wurde dann im Nationalrat eine Neuregelung beschlossen, die jedem Haushalt die Möglichkeit auf ein Opt-Out geben sollte.

Doch laut dem Wirtschaftsministerium besteht auch nach dem Beschluss des neuen Gesetzes kein Rechtsanspruch auf ein Opt-Out für Kunden. Das sei dadurch gegeben, dass die Energieversorger nach wie vor die Besitzer der Stromzähler seien und ihnen so das Recht gegeben sei, damit zu machen, was sie wollen. Eine andere Interpretation soll besagen, dass lediglich fünf Prozent der Betroffenen das Recht auf ein Opt-Out zusteht. Glaubt man einer aktuellen Studie, würden ohnedies nur knapp zehn Prozent davon tatsächlich Gebrauch machen.

NSA-Spionage

Die National Security Agency hat dieses Jahr wohl so viel öffentliche Aufmerksamkeit bekommen wie noch nie zuvor. Das dürfte den US-Geheimdiensten aber nicht sonderlich viel Freude bereitet haben, sind es doch eigentlich sie, die andere gerne belauschen. Das enthüllte Whistleblower Edward Snowden Anfang Juni und musste daraufhin ins Ausland flüchten. Mit PRISM, Boundless Informant und X-Keyscore wurden einige der aufwändigsten Spionageprogramme aller Zeiten aufgedeckt. Das Ausmaß ist gleichermaßen erschreckend wie eindrucksvoll.

Jeden Tag wurdenmehr als fünf Milliarden Handy-Standortdaten erfasst.Selbst US-Bürger,die EUundDeutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkelwurden vom Auslands-Geheimdienst überwacht. So wie es aussieht, wird die NSA aber auch 2014 ein zentrales Thema bleiben:Laut Glenn Greenwald, dem Journalisten, der von Edward Snowden die Daten erhielt, werde es noch viel schlimmere Enthüllungen aus dem vorhandenen Material geben.

4K kein Lichtblick für TV-Hersteller

2013 dürften sich die Fernseher-Hersteller anders vorgestellt haben. Statt des Durchbruchs für die 4K-Technologie gab es ein mattes Jahr mit starken Verlusten. Allein dieses Jahr brach der Fernsehmarkt um fünf Prozent ein, statt der 238,2 Millionen im Vorjahr wurden 2013 lediglich 226,7 Millionen Fernseher weltweit verkauft. Der einzige Lichtblick für die Hersteller: Der Trend scheint sich zu verlangsamen. 2012 fielen die Verkäufe noch um sieben Prozent, für das kommende Jahr wird nur mehr ein Rückgang von einem Prozent erwartet.

Dennoch enttäuscht die Prognose, vor allem in Anbetracht der olympischen Winterspiele in Sotschi und der Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien. Selbst der einstige Wachstumsgarant LCD-TV findet sich mittlerweile in nahezu jedem Wohnzimmer undkann den Abwärtstrend nicht mehr dämpfen. Dass nun auch vonNetflix undAmazon Serien in 4K produziert werden und Sony mit Fingernägelnauf die Vorteile der höheren Auflösung hinweist, kann offenbarden Verkauf von 4K-Fernsehernebenfalls nicht ankurbeln.